Review of “Signatures” in upcoming Schallwende Magazine! (German language)

schallwendeAndreas Pawlowski writes reviews for Schallwende, a German printed magazine devoted to electronic music not just in Germany but around the world too. He’s given me special permission to publish the advance copy which will be appearing in the next edition, thanks, Andreas!

Der in Ungarn lebende Engländer Dave Pearson, der unter dem Namen Computerchemist als Elektronikmusiker aktiv ist, hat sich für seine aktuelle Produktion Unterstützung geholt. Diese Unterstützung ist so elementar, dass im Titel der Alben nicht nur „Computerchemist“ steht, sondern auch der zweite Name „ft. Zsolt Galántai“. Der Begriff „featuring“ wird u. a. verdeutlicht durch die Nennung von Zsolt Galántai neben Dave als Komponist und Produzent des Albums.
Zsolt Galántai ist Schlagzeuger, und der bekommt gehörig zu tun. Das „featuring“ ist in dem Fall „Signatures“ wörtlich zu nehmen. Denn das Schlagzeug ist ein ganz wesentlicher Teil der Musik, nicht nur schmückendes Beiwerk, und auch nicht dezent, sondern ziemlich im Vordergrund.

Dave Pearson hat mir zu seinen „Signatures“ einige Informationen geschickt. Denen war zu entnehmen, wie die Stücke entstanden. Der Anfang war die Idee, nicht den meist üblichen 4/4-Takt zu verwenden, sondern eher ungewöhnliche Taktarten (engl.: time signatures – Zufall?). Dann kam schon Zsolt ins Spiel, der zu einem „Click Track“ spielen sollte, dabei aber frei improvisieren konnte. So ist ein Schlagzeugsolo die Grundlage eines jeden Stückes auf „Signatures“. Die melodische Basis jedes Tracks ist eine Sequenz, ob nun wie Klavier, Bass oder eben „traditionell“ elektronisch klingend. Die Melodien kamen ganz zum Schluss hinzu. Erklärtes Ziel war auch, die Grenzen der „Berliner Schule“ bis zum äußersten auszuweiten.
„Signatures“ ist nicht nur physisch in Teil I. und II. auf jeweils eine eigene CD aufgeteilt. Dave Pearson selbst verortet „Signatures I“ bei der EM, „Signatures II“ rechnet er mehr dem Kraut- oder Progressive Rock zu. Nach dieser Information hatte ich deutliche musikalische Unterschiede erwartet. Die gibt es zwar, aber nach dem ersten Anhören relativierten sie sich doch stärker als gedacht.
Es mag erstaunen, wenn man zum ersten Mal in „Signatures“ hineinhört, aber die Berliner Schule ist tatsächlich der Kern dieser Produktion. Es sind eben die Sequenzen, und viele vertraute Klänge wie z. B. Mellotron oder Streichersounds halten die Verbindung. Bei der ersten Hälfte des Titels „Corporatosaur“, wo noch schlagzeugfreie Schallwellen durch den Raum wogen, kommt die Nähe zur Berliner Schule vielleicht am deutlichsten zum Vorschein.
Der Klang des Schlagzeugs wird auf „Signatures I.“ des öfteren dezent verfremdet, und die E-Gitarre ist meist recht zurückhaltend gespielt. Das Gewicht liegt halt mehr auf der Elektronik. Die schon erwähnte Verwendung von unterschiedlichen Taktarten wird auf schöne Weise in „Broken Daliuette“ präsentiert. Die Art, wie der Track beginnt, erinnert mich von Ferne an eine Rhythmusgitarre, natürlich mit ganz anderem Klang. In der Melodie gibt es kurze Momente, die an eine Mandoline denken lassen. Zum Schluss reduziert sich die Musik fast auf ein Schlagzeugsolo.
Mit einem Bonustrack, „Landform 2012“, endet der erste Teil von „Signatures“. Das Original „Landform“ ist hier vom Stil her stark verändert, und sehr gut dem aktuellen Album angepasst. Der Track ist um einiges kürzer geworden, die Gitarre übernimmt einen Teil der Melodie, und mit den letzten Tönen endet „Signatures I.“ so offen, dass man unbedingt gleich mit „Signatures II.“ weitermachen möchte.
In „Signatures II“ ist noch mehr Gitarre zu hören, Bass wird vielfach gespielt wie in der Rockmusik, das Schlagzeug wirkt etwas „straighter“ als in „Signatures II.“.
Ungewöhnlich auf eine Art, die ich nicht recht zu benennen weiß, wirkt „Floor Zero“. Der Track erinnerte mich am Anfang unmittelbar an „Future Foundation“, den ersten Titel vom Tranceport-Album „Tranceglobal“.
Bei „Commution” wohnt der E-Gitarre eine ordentliche Portion Härte inne. Als Kontrast finden sich Piano und Vogelstimmen. Insgesamt ist der Titel aber eher dunkel gefärbt. Im Lauf des Stücks sind auch jazzige Passagen zu finden.
Musikalisch besonders ansprechend finde ich den Titel „Smeem“. Ich habe zwar keinen blassen Schimmer, was das Wort bedeuten soll, aber die Musik hat jedenfalls einen Hauch von Pink Floyd.
Der größte Unterschied zwischen „Signatures I.“ und „Signatures II.“ ist vielleicht einfach dieser:  Auf Teil I sind die Synthesizer führend in der Melodie, auf Teil II ist es die E-Gitarre. Insgesamt ist denn auch naturgemäß Teil I der ruhigere Teil.
Meiner Meinung nach ist Computerchemist mit „Signatures“ ein sehr unterhaltsames und vielseitiges Werk gelungen. Wer von Dave Pearson schon ältere Alben kennt, dem dürfte auch dieses gefallen. Für Freunde des ProgRock ist es ohnehin empfehlenswert. Und wer der Musik von Level Pi (Uwe Cremer), der ja auch schon mit Dave zusammen gearbeitet hat, zuneigt, sollte es ebenfalls mal hiermit versuchen.

Andreas Pawlowski, Schallwende Magazine, May 2013

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